Passiv, was seine Wahrnehmungsfähigkeit angeht, hat er sie sicher. Aktiv? Männlich, charismatisch? Ich weiß es nicht. Eckhard Tolle hat mit seinen Büchern um „The Power of Now“ Bestseller geschrieben, und im Kern geht es dem Mann auch darum: 100%ig focussiert sein auf das, was er gerade wahr- nimmt: passive Präsenz.
Im Gegensatz dazu, das zweite Bein des Präsent- durchs- Leben- gehens: aktive Präsenz: sich jederzeit spüren, „aggredere“ lat. das aktive hinzugehen auf das, was passiert, mit Selbst- Bewußtsein und Ausstrahlung. Gerades Kreuz, klar, zielorientiert, schnörkellos sprechen, und ebenso entschlossen handeln. Die Kunst des Zen: „Wenn ich esse, esse ich, wenn ich gehe, gehe ich, wenn ich schlafe, schlafe ich.“ Und ich tue nichts anderes daneben

Präsenz I – „Ich bin DA!“

Das Gefühl, gut angezogen zu sein, verleiht dem Gemüt eine Ruhe, die die Religion nicht geben kann.“ (Ralph Waldo Emerson)

Präsent SEIN, ganz DA-sein, hellwach, mit allen Sinnen (aufnehmen), schauen, hören, teilnahmslos, das heißt gefühllos, ohne zu werten oder auch nur zu beurteilen, dafür aber hochkonzentriert wahrnehmen. Wenn meine Brüder und ich von unserem Vater eines ganz gewiss geerbt, übernommen haben, dann ist das Präsenz. Manche Männer können zweimal in einen Raum kommen – man merkt kaum, dass sie da sind. Andere drücken nur die Türklinke runter, und es wird still im Raum. Wir, meine Brüder und ich, gehören tendenziell zu letzteren. Wie kommt Präsenz zustande?

Präsenz hat mindestens zwei Wurzeln – es ist zum einen die „innere Haltung“ zu sich selbst und zum Geschehen, zum zweiten auch die äußere (Körper-) Haltung.

Haltungsturnen

Als Aufgabe psychischen Wachstums braucht es zur Steigerung der Präsenz zum einen das gute Gefühl zu sich selbst, eine geschärfte Wahrnehmung der eigenen „Befindlichkeit“, klare körperliche Wahrnehmung, ein „EINS- SEIN“, die wachsende innere Gewissheit, jetzt wie immer am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein, die zur inneren Ruhe, zum In-sich-ruhen führt.

Die Wege sind vielfältig: Der feste Platz in der Gesellschaft, im eigenen Umfeld, gehört ebenso dazu wie das feste Wertesystem, die klaren Prinzipien und Prioritäten, und das „gesunde“ Selbstvertrauen aus der fortgesetzten meditativen Praxis. Aus dieser festen inneren Struktur heraus lebt die Präsenz aus der Neugier auf „die Welt“, die gespannte Aufmerksamkeit zunächst auf den Menschen mir gegenüber wie auf die Situation insgesamt.

Wie entsteht eine solche Haltung? Es braucht Reife. Dem Narziss, dem Puberteur fehlt der Bezug zum Selbst, zum „Inneren ICH“. Er hält sein Ego, seinen Habitus für Persönlichkeit: „… mein Haus! Mein Boot! Mein Auto!“ für das, was ihn ausmacht, was an ihm wichtig ist. Er nimmt sich unvergleichlich wichtig, ist nicht bereit, seine Gedanken und Gefühle in Bezug zu setzen, zu relativieren gegenüber dem Nächsten. Persönlichkeit und materieller, beruflicher Status sind dasselbe, und so grenzt er sich auch „nach unten“ ab. Die Grenze von der Egozentrik zum Narzissmus ist dünn, und so schwingt Verachtung immer mit. Das aber spürt ein Gegenüber – und deswegen kann kein tieferes Vertrauen in den Beziehungen entstehen: Ewigen Puberteuren wird die ausgestrahlte Verachtung durch Distanz, Unverbindlichkeit, Oberflächlichkeit gespiegelt. Es bleibt immer etwas Bemühtes, Herzloses in den Kontakten. Charisma kann so nicht entstehen.

Übungen zur psychischen Präsenz

  • Narzissten sind hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt: Wie sehe ich aus, wie wirke ich, sind diese Leute gut genug für mein EGO, meine Karriere..? In dieser Selbstbezogenheit wirken Narzissten oft wie geistig abwesend. Neugier, offenes, lebendiges Interesse an den Mitmenschen und ihrer Situation hat bei ihnen keinen Platz. Und das macht Präsenz aus, die fast kindliche Neugier auf das, was jetzt im Moment passiert. Junge Hunde und manche Kinder sind so.

  • Eine EINSer- Haltung entsteht aus dem guten klaren Gefühl zu sich selbst, das völlige „ok!“ zum eigenen Spiegelbild: „Ich bin mit mir und meinem Leben einverstanden: Ich war immer am richtigen Ort, zur richtigen Zeit – und ich bin es jetzt.“

Was übrigens die einzig angemessene Haltung zum eigenen Leben ist, wenn man mit sich selbst in Frieden leben will. Wer meint, das Leben müsse irgendwie anders funktionieren, als es das tut oder getan hat, der unterziehe sich „TheWork“ von Byron Katie.

  • Das gute Gefühl im Sinne der „Wahr- nehmung“ des eigenen Körpers ist ein Vertrauen auf die körperlichen Reaktionen des eigenen Körpers auf gegenwärtige Ereignisse. Magengrummeln, Kopfschmerzen, Nervosität, Wärme, Stimmenflattern – all das sind Reaktionen des Körpers auf die Umwelt, die ein Mann mit Präsenz nicht nur bei seinem Gegenüber, sondern zunehmend auch bei sich selbst wahr- und ernst nimmt.

 

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